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Paläobotanik
Paläobotanik im Museum
Die Botanik ist die Wissenschaft von den Pflanzen, im Alltagsgebrauch
wird dieser Begriff meist auf rezente, d.h. noch existente, Pflanzenarten
angewandt. Die Paläobotanik ist ein Unteraspekt der Botanik, sie
ist die Wissenschaften von den fossilen, bereits ausgestorbenen Pflanzen.
Botanik und Paläobotanik sind hauptsächlich in Botanischen und
Naturhistorischen Museen wichtig. Aber auch in Technik-, Bergbau-, Regional-
und Heimatmuseen können sie eine Rolle spielen. Pflanzen begegnen
uns auf Besucherseite:
- als Darstellung der Gliederung der Großgruppen der Botanik, also
als biologische Systematik oder Taxonomie
- als Darstellung ökologischer Zusammenhänge, z.B. in Dioramen
- Im Zusammenhang der Bedeutung der Pflanzen für die Menschen, z.B.
als Nahrungsmittel oder Rohstofflieferanten (vom Urzeitgewächs zum
Kohleflöz)
- In Form fossiler Pflanzen und in deren Rekonstruktion
In wissenschaftlichen Sammlungen spielen vor allem Herbarien, Sammlungen
getrockneter Pflanzen, eine Rolle. Wichtig ist hierbei die Erstbeschreibung,
das erste Exemplar einer entdeckten und beschriebenen Art.
Taxonomie Ordnung in das Chaos
Um die Vielzahl der existenten und nicht mehr existenten Tiere und Pflanzen
einordnen zu können, wird ein biologisches System, die Taxonomie,
benötigt. Dabei kann man entweder von praktischen Fragestellungen
ausgehen (z.B. essbar oder nichtessbar?), oder von einem natürlichen
System (z.B. gleichartige Blätterform). Erste Systematiken gab es
schon vor 2000 Jahren.
Eine genaue wissenschaftliche Einordnung wurde allerdings erst mit der
Erfindung des Mikroskops möglich. Erst jetzt konnte man Details eingehender
betrachten und erkannte z.B., dass die Blütenform eine viel entscheidendere
Rolle für die Einordnung einer Pflanze spielt als die Blätterform.
Die heute in der Biologie verwendete Taxonomie stammt von dem schwedischen
Biologen CARL VON LINNÉ. Er entwickelte eine binäre Nomenklatur,
die sich auf Tiere, Pflanzen und paläontologische Objekte anwenden
lässt. Jedes Lebewesen erhält einen Doppelnamen,
bestehend aus der Gattung (genus) [z.B.: Rosa (Rose) oder Homo (Mensch)]
und der Art (species) [z.B. Rosa canina (Wildrose/Hundsrose), Homo sapiens
(der wissende Mensch). Diese Lebewesen können auch in noch größere
Gruppen, die Familien zusammengefasst werden [z.B. Rosaceae (Rosengewächse)].
Grundbaupläne paläobotanisch interessanter
Pflanzen
Nach dem Grundprinzip des Aktualismus (s. I 1.) muss man zunächst
in die heutige Natur sehen, um die urgeschichtliche Natur zu verstehen
und daraus Rückschlüsse ziehen zu können. So müssen
wir uns zunächst ein paar Baupläne von rezenten
Pflanzengattungen ansehen, die in anderer Form in der Frühgeschichte
der Landpflanzen von Bedeutung waren.
Was hat das alles für einen Sinn? Nun, außer dass es für
den Paläobotaniker interessant ist, was früher auf der Erde
so rumwucherte, können Pflanzenfunde auch paläontologische Thesen
stützen: So erreichen z.B. Farne in den heutigen Tropen und Subtropen
eine ziemlich große Artenvielfalt. Für die Paläobotanikerin
wichtig, denn: finden sich nun in einer untersuchten Gegend fossile Spuren
vieler farnartiger Pflanzen, so lag diese wahrscheinlich mal in einem
tropischen oder subtropischen Bereich. Die Farne können somit die
These von der Verschiebung der Kontinente stützen.
1. Farnartige Pflanzen/Gefäßsporenpflanzen
Farne haben langgestreckte, federartige Blätter. An den Blättern
der Farne wachsen Sporophyllen, in denen die Sporangien (Sporenbehälter)
enthalten sind. Diese Sporangien fallen auf die Erde, bilden dort als
Vorkeim männliche und weibliche Geschlechtsteile aus, aus denen dann
die neue Farnpflanze entsteht.
Schachtelhalme
Auch Schachtelhalme vermehren sich durch Sporangien. Am Stängel haben
sie Quirle, zurückgebildete Seitenäste.
Bärlappgewächse
Vermehren sich auch durch Sporangien, allerdings gibt es zwei Arten Sporen:
die großen, weiblichen Makrosporen und die kleinen, männlichen
Mikrosporen. Wichtige Bärlappe sind Selagnella und Lycopodium
2. Nacktsamer/Gymnospermen
Im Perm gewannen die Nacktsamer im Baumbestand
an Bedeutung, während die farnartigen Pflanzen an Bedeutung verloren.
Auch Nacktsamer sind als Bestandteil der Karbonisch-Permischen Wälder
Bestandteil der Steinkohle.
Nacktsamer werden unterteilt in:
- Nadel- bis Gabelblättrige (Coniferophytina)
- Fiederblä ttrige (Cycadophytina)
Die Nacktsamer vermehren sich durch Samen, es gibt männliche Pollen
und weibliche Eier, die in verschiedenen Zapfen gebildet werden.
3. Blütenpflanzen/Bedecktsamer/Angiospermen
Die Ursprünge der Blütenpflanzen liegen im Dunkeln. Sie tauchen
in der Kreidezeit (vor ca. 140 130 Millionen Jahren) plötzlich
auf und setzen sich in der Folgezeit immer mehr durch. Heute sind sie
die wichtigste Nahrungsquelle des Menschen. Ein besonderer Vorteil ist,
dass sie mit ihren Wurzeln und Knollen als Speichermedien bestens auf
das Überleben auch in kargen Regionen ausgerichtet sind. So gibt
es in der Wüste Pflanzen, die jahrelang nur als Knollen vor sich
hin vegetieren, um dann, wenn es endlich regnet, blitzschnell aufzublühen
und sich fortzupflanzen.
Der ungeheure Erfolg der Bedecktsamer lässt sich schwer erklären.
Zum einen sind sie sehr anpassungs-fähig, zum anderen ermöglichen
die Samen eine weitere Verbreitung. Die männlichen Pollen sind vom
weiblichen Ei getrennt angebracht. Kommen Pollen auf die Narbe,wächst
von dort aus ein Pollenschlauch zum Ei, wo die Befruchtung stattfindet.
Die ersten Hinweise, die wir auf Bedecktsamer haben, sind fossile Pollenkörner.
An iIhnen lässt sich die Entwicklung verfolgen: Die ersten Pollen
hatten nur eine Öffnung. Rezente Formen bestehen aus drei regelmäßig
angeordneten Teilen (Tetraden). Die Öffnungen sind entweder schlitzförmig,
porenförmig, oder eine Mischform. Die Entwicklung der Blätter
geht von einfachen Formen zu komplex zusammengesetzten Blättern.
Der Vormarsch der Pflanzen: Vom Erdaltertum in
die Neuzeit
Grundsätzlich gilt immer: Die Floren gehen den Faunen voraus, d.h.
erst das Gestrüpp, dann das Viehzeug. Es werden drei verschiedene
Arten von Vermehrung unterschieden, die sich auch in der führenden
Rolle als Landpflanzen ablösen:
1. Die Farnartigen: Vermehrung durch Sporangien, die ersten Landpflanzen
2. Die Nacktsamer oder Gymnospermen: Vermehrung durch Zapfen
3. Die Bedecktsamer oder Angiospermen: Samen werden von einer Frucht
geschützt
Die ersten Pflanzen vom Ordovizium bis zur Kreide
Moose gibt es schon seit dem Ordovizium, die eigentliche Geschichte der
Landpflanzen beginnt jedoch erst im Silur. Als Vorfahren aller heute
existierenden
Pflanzenarten gelten die Psilophyten (Nacktfarne): es sind farnartige,
bischofstabförmig eingerollte Pflanzen und haben einen typisch farnartigen
Vermehrungszyklus. Sie haben noch keine richtigen Wurzeln, sondern rezoide
wurzelartige Organe, die die Nährstoffversorgung übernehmen.
Im Devon treten wahrscheinlich die ersten Schachtelhalme auf, jedenfalls
gibt es aus dieser Zeit fossile Überlieferungen. Im Karbon gibt es
dann große, baumartige Schachtelhalme, die Sphengophyllen, nachweisbar
z.B. an fossilen Baumstümpfen in Schottland. Die Vorläufer
der Nacktsamer sind die Farnsamer, die zwar wie Farne aufgebaut sind,
sich
aber schon durch Samen und nicht durch Sporangien fortpflanzen. Sie treten
im Karbon erstmals auf.
Die hauptsächlich aus farnartigen Pflanzen bestehenden Karbonischen
Wälder bilden die heutigen Steinkohleflöze. Das kam so: Die
karbonische Landschaft war eine Sumpflandschaft. Wenn Bäume abstarben,
fielen sie um und wurden Teil des Sumpfes. Der Sumpf wurde später
mit anderem Material zugedeckt, immer mehr Schichten lagerten sich darüber
und unter dem ungeheuren Druck wurden aus den Pflanzenresten Steinkohle.
Im Perm werden die Nacktsamer vorherrschend, während die farnartigen
Pflanzen seltener werden. Im Trias entwickeln sich Nacktsamer, die in
Anordnung und Bau der Fortpflanzungsorgane den Bedecktsamern schon recht
ähnlich sind.
Der Siegeszug der Blütenpflanzen von der Oberkreide zur Erdneuzeit
Zur Zeit der Oberkreide war Mitteleuropa ziemlich überschwemmt. Nur
wenige Stellen, z.B. der Harz, waren Festland. An den Riffzonen wuchsen
Blütenpflanzen. Zum Teil hat sich noch deren Skelett im Original
erhalten. Es gibt Fossilien, die sehr für herbstlichen Laubfall
sprechen.
Die Paläobotaniker haben eine etwas andere Vorstellung vom Aussterben
der Dinosaurier als die Geologen: Dinosaurier konnten anfangs nur die
wenig Nährstoffhaltigen und schwer verdaulichen Farne und Nacktsamer
fressen. Dazu mussten sie auch noch Steine im Magen haben, um diese Nahrung
aufzuschließen. Einen Vorteil hatten alle Tiere, die die neuen Blütenpflanzen
fressen konnten. Die Säugetiere hatten also die besseren Karten,
wenn sich auch einige Dinos anpassten. Nach Meinung mancher Paläobotaniker
waren die Dinos also schon auf dem absterbenden Ast, als der Meteorit
einschlug.
Seit der Oberkreide gibt es auch Insekten, die sich auf die Bestäubung
der Blütenpflanzen spezialisiert haben, wie z.B. Wespen und Bienen.
Im Tertiär wurden die heutigen Braunkohleflöze aufgebaut, hauptsächlich
aus Sumpfzypressen. Im Tertiär gibt es zwei bedeutende Pflanzensysteme:
· Die Paläotropischen Floren, wärmeliebende, immergrüne
Gruppen, die in wärmeren Klimaten zu finden sind, z.B. Palmen, Mastixiaceae.
· Die Arcto-Tertiärfloren, sommergrüne Gruppen, die in
gemäßigten Klimaten zu finden sind
Im Laufe der Vereisung der Erde im Eozän und Oligozän des Tertiär
wanderten die Arcto-Tertiärfloren immer weiter in den Süden.
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