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9. Zusammenfassung
1) Sekten erzeugen ein in sich geschlossenes Wahnsystem, bei dem unbequeme
Denkansätze einfach ausgeblendet werden sollen. Wenn der Einstieg erst
gemacht ist, ergibt sich unter Verdrängung äußerer Realitäten eine innere
Logik. Es werden die allbekannten sophistischen Argumente und dialektischen
Mittel zum Untermauern der Lehre verwendet. Mehrere Wahrheiten werden
durch dialektisches Verknüpfen zur Lüge. Sekten sind Meister in der Anwendung
von begrifflichen Unschärfen. Alles, was zur Enttarnung der Irrealität
ihrer Vorstellungswelt geeignet wäre, wird abgelehnt. Dazu werden die
Mitglieder von der Realität isoliert und alle interne und externe Kritik
unterdrückt.
2) Darstellungen der bösen Welt, Sektengeschichte und “erlebte Geschichten”
sind wenig ernst zu nehmen, wohl aber die Handlungsweisen der Sekten-Akteure.
“An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen” (Matthäus 7, 16).
3) Nimmt man das Weltbild/Gottesbild z.B. der christlichen Sekten ernst,
so ist Gott ein Despot auf dem Thron, der alle Menschen mit ewiger Verdammnis
bedroht, aber diese in ewigen Genuß des Paradises umwandelt, falls man
der jeweiligen Sekte - und nur ihr - glaubt. Ein ziemlich monströses Bild
will mir scheinen. In dem Gefüge des schwarz-weiss-Denkens ist Gott ein
Übervater: Mit diesem Gottesbild lebt und stirbt man schwer!
4) Man zahlt für Geborgenheit, Vergebung und die stereotype Darstellung
des unerreichbar bleibenden und nicht überprüfbaren “ewigen Heils” mit
absolutem Gehorsam, persönlicher Unfreiheit und materiellen Mitteln. Der
Preis ist mit Sicherheit unangemessen hoch, die Leistungen dagegen unbeweisbar
und auch deshalb unangemessen niedrig!
5) Sekten haben ein großes Interesse an der Opferwilligkeit und Zahlungsbereitschaft
ihrer Mitglieder. Der Pietismus mit seiner Selbstgerechtigkeit und Bewertung
der materiellen Seite des Menschen ist ein häufig gepflegter Zug. Es wird
versucht, den unstillbaren Finanzbedarf der Sekte durch persönliche und
finanzielle Ausbeutung der Mitglieder zu lindern. “Um seine Zigarre anzuzünden,
entfacht er ihren Höllenbrand!”
“Rent-a-Guru” ist nicht nur Strickmuster für asiatische Sekten.
6) Die Frage lautet zuweilen: Ist für einen bestimmten Menschen die Sekte
wegen der gebotenen Gemeinschaft und Geborgenheit gut? Sie muß angesichts
der vermittelten irrealen Weltsicht, der materiellen Opfer bis zur Ausbeutung,
der Erziehung zur Heilsbedürftigkeit entschieden verneint werden. Aus
jeder vernünftigen Perspektive ist das “umbauen” von Menschen zu Traumtänzern
nicht nur unnötig, sondern unangemessen und unverantwortlich.
Der Preis ist immer zu hoch!
Wann immer es angesichts des Unglücks von Menschen einen Bedarf an
Schutzgesetzgebung gibt: Hier ist er vorhanden!
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